Eine Fahrkarte nach Trebsen gibt es nicht mehr...
Wer kennt nicht die
heutige KBS 503 Beucha-Trebsen? Diese Strecke
gehörte zum Dampflok-Eldorado der Leipziger Region
und bis zum Frühjahr 1988 fuhren noch planmäßig
Engelsdorfer 52er auf dieser Strecke. Regelrecht
überrascht wurden wir im Sommer’97 von der
Entscheidung der Landesverkehrsgesellschaft (LVG)
Sachsen, zwischen Brandis und Trebsen der
Reiseverkehr eingestellt werden sollte.

Dabei steht diese
Strecke noch nicht mal auf der schwarzen Liste der
DB AG, da die
Fahrgastzahlen und das Güteraufkommen für
eine Nebenbahn nicht unbedeutend sind.
Eher wird man den
Gedanken nicht los, nachdem Freiberg-Brand Erbisdorf
wiedereröffnet werden musste, dass die vom sächs.
Ministerium f. Wirtschaft und Arbeit beauftragte LVG
ein anderes Opfer brauchte um die Gelder des SPNV
einzusparen.
Da traf es die beliebte
Ausflugsstrecke KBS 503 Beucha-Trebsen, welche mit
ca. 500 Fahrgästen noch nicht einmal die
schlechtesten Fahrgastzahlen in
Sachsen aufwies. Am
27.09.97 war
Schluss und trotz Proteste in der Region wird kein
Triebwagen mehr nach Trebsen fahren.

Geblieben war noch
der Restverkehr auf der Ca. 3km langen Strecke
Beucha-Brandis.
Doch es war eine Frage
der zeit, wann dieser Stummel "geopfert" wird und im
Dez. 2006 war auch hier nun entgültig schluss.

Sogar im Stundentakt
wurde dieser Stummel bedient und auch die
Fahrgastzahlen waren nicht verkehrt - jedoch war man
nicht in der Lage die geforderten 1000 Fahrgäste am
Tag hier vorzuweisen.
Leider gibt es beim
zuständigen Zweckverband auch nicht den Versuch,
statt des derzeitigen Stundentaktes, einen
bedarfsorientierten täglichen Verkehr zwischen
Beucha und Trebsen wieder
aufzunehmen. Mit den derzeitigen Kilometer
Kontingent könnte man gut 5 Zugpaare auf der
Gesamtstrecke planen. Sollte sich nicht doch noch
der Zweckverband für ein neues Konzept entscheiden,
bei dem evtl. auch ein privater Betreiber infrage
käme, dann droht Beucha-Brandis bald das endgültige
AUS.
Die DB Netz AG hat zum
Anfang 2007 den Güterverkehrsbetreibern mitgeteilt,
dass Sie hier die Strecke ausschreiben wird und ggf.
stillegen werde.
Ja, Zweckverband und
Land ruinieren mit Ihrer "Politik" nicht nur die
Infrastruktur einer Region, man hebelt damit auch
die wirtschaftliche Zukunft aus und demontiert
fleißig Arbeitsplätze!

Die Strecke
Am 10. Dezember
1898 konnte die Nebenbahn Beucha-Altenhain festlich
eröffnet werden. Allerdings fuhren zuerst nur
zwischen Beucha und Brandis die Reisezüge.
Von Brandis bis
Altenhain und zu den Anschlussgleis
der Hengstbergsteinbrüche
Seelingstädt fuhren die Güterzüge. Erst 1910 kam es
schließlich zur Verlängerung
der Strecke nach Trebsen. Den Ausgangspunkt der
beschriebenen Strecke stellt der Bahnhof Beucha dar,
der zur KBS 506 Leipzig-Döheln-Dresden
gehört.
Erst Ende der 80er
wurde der Bahnhof Beucha elektrifiziert um den
Bahnhof Borsdorf zu entlasten, so konnten die
Schotterzüge aus Großsteinberg und Seelingstädt nun
schon in Beucha umgespannt werden. Ob dies aber
jemals geschah konnte mir keiner der
Bahnangestellten sagen, sie wussten von solchen
Ereignissen nichts.
Noch bis 1988 wurde
ein Teil der Ganzzüge der Strecke Beucha-Trebsen mit
52.8 des Bw Engelsdorf bespannt. lhre
Nachfolge traten 118er des Bw
Leipzig Süd an. Sonst war schon seit Jahren die
Baureihe 232 (ex 132 DR) hier im Einsatz, diese
wurden im letzten Jahr zum Teil von 202; 298 und 346
verdrängt. Zwischenzeitlich hat die
MEG hier den Güterverkehr übernommen.
Was zeigt wie es
auch mit den Transportleistungen zurück ging.
Allerdings ist seit 1999 ein Aufwärtstrend
auszumachen. Ebenfalls schon lange waren hier die
LVT 771 (ex 171 DR) im Einsatz, diese fuhren am
Wochenende sogar als 5er
Einheit und hatten ihren Ausgangspunkt im Leipziger
Hauptbahnhof.

...Wir
steigen in Beucha einen modernisierten 772 ein und
rumpeln los. An der südöstlichen Ausfahrt befindet
sich schon der Haltepunkt Beucha Ost, der sehr
umfangreich genutzt wird. Hier befand sich das
Einfahr-Formsignal, ein beliebtes Fotomotiv aus
Dampfzeiten. Es ist inzwischen abgebaut wurden, wie
auch die übrigen Signale auf der Strecke.
Unsere Fahrt geht
jetzt schnurgerade in Richtung Brandis. Kurz vor
Brandis überqueren wir einen Bahnübergang, der
leider schon viele Unfälle erleben musste.
Inzwischen wurde hier eine hochmoderne
Schrankenanlage installiert.
Nach wenigen
Minuten erreichen wir den Bahnhof Brandis, dessen
Empfangsgebäude einen typischen sächsischen
Einheitsbau darstellt. Man bemerkt sofort, dass hier
das RZ 2000 am wirken war, man hat mehrere
Abstellgleise zurückgebaut, jedoch nicht alle Gleise
ordentlich entfernt.

Hier war sogar bis
Anfang der 90er Jahre noch eine 101
(jetzt 311) stationiert, die die gesamten
Übergaben zu den Anschlüssen fuhr. Vom größten
Anschließer, dem Silikatwerken Brandis ist nichts
mehr geblieben. Ein Investor sackte nur die
Fördermittel ein und verschwand, dass Werk konnte
mit seinem Schuldenberg nicht überleben. Auch der
Anschluss Tonwerke ist nicht
mehr vorhanden, schon zu DDR-Zeiten nutzten diesen
Anschluss Fremdfirmen. Auf der Ladestrasse wird in
der Hauptsache noch Kohle umgeladen, diese kommt
dafür sehr regelmäßig.
Nun geht es über
einem Rechtsbogen an den
ehemaligen Anschlüssen vorbei. Hier
befinden sich neue Wohngebiete und die
Rehaklinik, - ein neuer Haltepunkt hätte sicherlich
zu mehr Attraktivität der Strecke gesorgt. Hinter
Brandis durchfahren wir eine herrliche Wald- und
Wiesenlandschaft, ein beliebtes Ausflugsgebiet der
Leipziger. Hier wurde 1947 ein Braunkohletagebau
aufgeschlossen, der die Brennstoffsituation der
Nachkriegsjahre im Raum Leipzig verbessern sollte.
Für die Kumpel
wurde sogar ein Haltepunkt eingerichtet, der wie die
Grube als "Frisch Glück"
bbezeichnet wurde. Schon 1962
wurde diese Grube wieder geschlossen und nur wenige
Jahre später entstand hier das beliebte Brandiser
Erholungszentrum, welches
sicherlich auch von einem neuen Haltepunkt
profitieren würde.
Nun erreichen wir
Ammelshain, dem "Boomtown" dieser Region, denn hier
gibt es mehrere dieser "schön
- hässIichen-
Wohnparks, die das Dorfbild nachhaltig zerstören.
Auf der rechten Seite
befindet sich ein holzverarbeitender Betrieb, dessen
Anschluss erst vor einigen Jahren vollkommen
erneuert wurde.

Kurz vor dem
heutigen Haltepunkt Ammelshain, hat die Bahn vor dem
Straßenverkehr kapituliert.
Der LVT hält vor dem Übergang
an, der Zugbegleiter steigt aus und versucht nun mit
seinem Fähnchen den Überweg freizuhalten.
Es gibt aber nicht
wenige Autofahrer, die diesen Akt als Provokation
ansehen und erst richtig Gas geben. Nachdem der LVT
den Übergang passiert hat, steigt der Zugbegleiter
wieder ein und schaut noch am Haltepunkt ob wer
einsteigen will. Für diesen wichtigen Übergang
hätten schon lange Schranken beschafft werden müssen,
denn hier kostet es doch einige Minuten Fahrzeit.
Der ehem. Bahnhof Ammelshain wurde schon in den 80er
Jahren zurückgebaut. Nachdem hier die Steinbrüche
eingestellt wurden, begann in
den 60er Jahren die Kiesverladung aus den Naunhofer
Kiesgruben - doch auch dies ist schon lange
Geschichte und heute zeugt
nur noch das breite Schotterbett von der einstigen
Größe des Bahnhofs.

Ab jetzt folgt
einer der schönsten Abschnitte dieser Strecke. Wir
durchfahren einen herrlichen Waldabschnitt, etwa in
der Mitte des Waldes befindet sich eine Lichtung von
wo man recht gute Fotos schießen kann.
Nachdem wir den
Wald passiert haben, erreichen wir den Bhf.
Altenhain. Hier gibt es einen neuen Steinbruch, der
Interesse an der Bahnverladung hatte und ein
Anschlussgleis errichten wollte. Doch nach Aussage
des Betreibers hatte die DB
AG kein Interesse! Früher war hier das fotografieren
nicht ungefährlich, da von hier aus ein
Anschlussgleis zu einer Russen-Kaserne führte und
diese sehr empfindlich reagierten. Für diesen
Anschluss war extra eine Kö hier stationiert. Heute
sind die Nebengleise außer Betrieb genommen
und das große Stellwerk aus den 30er Jahren verfällt
zunehmend. Interessant ist die hölzerne Wartehalle,
die wie das Bahnhofsschild aus der Anfangszeit
stammt.

Nachdem wir nun in
einem Bogen an Gärten vorbeirattern, sehen wir schon
in der Ferne den Bahnhof Seelingstädt. Dieser
Streckenabschnitt durchkreuzt nur riesige Felder und
so haben wir einen guten Ausblick auf die umliegende
Hügellandschaft.

Im Bahnhof
Seelingstädt eingetroffen, überrascht uns die
neugepflasterte Ladestrasse des Bahnhofs, wo ein
Kohlehändler seine Wagen entlädt. Der Bahnhof war
schon immer der Betriebsmittelpunkt im Güterverkehr,
denn von hier aus wurden zwei Steinbrüche und
das Getreidelager Trebsen bedient.
Außerdem verfügte
der Bahnhof über einen Firmenanschluss
und bis in die 50er Jahre
wurde hier auch Kohle aus den umliegenden
Braunkohlegruben verladen. Das riesige Stellwerk
fällt sofort auf und die Ausmaße der Gleise lassen
zumindest die einstige Bedeutung erahnen. Von der
ehemaligen idyllischen Anschlussbahn zu den
Hohnstädter Hengstbergsteinbrüchen, ist seit 1994
nichts mehr übrig. Hier war in den 8Oer Jahren sogar
eine 111 (jetzt 293/ 298) stationiert, welche die
Anschlussgleise bediente und die schweren Ganzzüge
nachschob.

Von nun an
schlängelt sich die Bahn durch kleine Waldabschnitte,
vorbei an einer ehemaligen Ladestelle und an dem
Anschlussgleis des Kolmberg Steinbruches, der jedoch
nur selten Waggons verlädt. Bin Stück weiter sind
die Silos der Getreide AG zu sehen, die mit ihren
Programmzügen für gutes Güteraufkommen
sorgt, wofür nicht selten 2x 232 benötigt werden.
Jetzt fahren wir durch das Landschaftsschutzgebiet "Magdal-
nensee", dabei fährt man
direkt am Ufer des Sees entlang, an den man seltene
Tiere wie z.B. Kraniche oder Reiher entdecken kann.

Jetzt kommen wir in
Trebsen an und passieren vorher noch einen
beschrankten Bahnübergang der auch schon für
Schlagzeilen sorgte. Hier war 1937 ein Bus unter
Nichtachtung der Läute- und Pfeifsignale der Lok mit
einem Güterzug kollidiert,
wobei der Bus ausbrannte und 9 Menschen ums Leben
kamen. Aber auch die Schranken wurden mehrmals an
der abschüssigen Straße
durchbrochen, doch kam es nie wieder zu solch einem
schweren Unglück.

Der Bahnhof Trebsen
präsentiert sich fast noch im Originalzustand, nur
die Satellitenschüsseln am Empfangsgebäude zeugen
von der neuen Zeit. Die Ladestraße
wird noch immer bedient, es kommt jedoch nur noch
Kohle an. Der wichtigste Anschließer
ist die Papierfabrik Trebsen, die ihren Anschlug in
der Verlängerung der Strecke besitzt.

Bisher erhielt die
Papierfabrik nur ihre Rohstoffe per Bahn, künftig
will man auch die Endprodukte versenden, wofür eine
zweite Cargobedienung vorgesehen ist. Zwar befindet
sich auch ein Gewerbegebiet gegenüber dem Bahnhof,
doch nutzen hier derzeit keine Firmen die
Möglichkeit zum Gleisanschluß
bzw. Bahnversand. Nachdem nun in Trebsen kein
Reiseverkehr mehr abgewickelt wird, hat die Aufsicht
nur noch einen 6 Stundentag. mal
sehen wie lange noch...?

Der Bus .......
Erst im Juli 1997
wurde den Stadtverordneten in Trebsen und Brandis
bekannt, dass die LVG beschlossen hat, den
Reiseverkehr Ende September einzustellen.
In der Tagespresse
flogen die Fetzen und die Bürger nutzten die
M6glichkeit mit Protestbriefen ihren Unmut
auszudrücken. Über 10.000 solcher Protestbriefe
wurden an die LVG geschickt. Auch der Landkreis
Muldetal bemühte sich darum, dass die LVG noch
einmal ihr Vorhaben überdenkt.
Doch all dies wurde ignoriert man erzählte was vom
schlechten Oberbau und
größeren Investitionen (Bahnübergergang Ammelshain).
Künftig fährt nun
der Triebwagen von Beucha nach Brandis in den alten
Verkehrszeiten. Von Brandis muss in den Bus
umgestiegen werden, der nun eine Viertel Stunde
länger Unterwegs ist. Dabei durchfährt der Bus das
Künstlerdorf Polenz ohne
einen Halt, der wohl gewi8 nicht fehl am Platz wäre.
Das nicht einmal der DB-Tarif im Bus gilt, braucht
wohl kaum noch Erwähnt zu werden. Und somit ist wohl
jetzt schon klar, dass viele Reisende gleich per Bus
nach Wurzen oder Grimma fahren um
von dort aus weiterzukommen.

Es gibt ohnehin
Gerüchte, dass der derzeitige Busverkehr zum
kommenden Fahrplanwechsel stark reduziert wird. Nun
steht auch der restliche Reiseverkehr auf der Kippe.
Allein der Güterverkehr verhindert die Stilllegung
der Gesamtstrecke.

Am
27. September 1997
war schließlich der letzte Tag mit Reiseverkehr auf
dieser Strecke. Leider konnte man auf den
hellen Regionalfarben des LVT
kaum den klassischen Abschiedsspruch "Letzte Fahrt"
erkennen. Die Stimmung der hier arbeitenden
Eisenbahner war nicht gerade gut, sie haben für ihre
Strecke gekämpft, aber es hat nichts genutzt. Am
Abend hatte irgendjemand schon das Stations-Schild
von Seelingstädt abgeschraubt. Der Ietzte Zug nach
Beucha RB7378 (ab Trebsen 21.19 Uhr) war bestens
besetzt, der allerletzte Zug RB7379 (Trebsen an
23.06 Uhr) war proppenvoll, allerdings waren viele
Eisenbahner nun Fahrgäste, die sich extra fein
gemacht haben.

Als der Triebwagen
23.20 Uhr den Bahnhof Trebsen verließ sah man
versteinerte Gesichter, den Gedanken das hier nun
künftig kein Reisender mehr ein- und aussteigt,
wollte man einfach nicht war haben. Nun gibt es
keine Fahrkarten mehr nach Trebsen an der Mulde...
(C) 1997
Bahnwaerter Thomas)