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Technische Beschreibung
Kurzcharakteristik (Original aus Eisenbahnpraxis
9 / 1970)

Die Triebwagen der
Baureihe 171 ' 172 sind unter der Kurzbezeichnung LVT
oder dem Namen Schienenbus auf Nebenbahnstrecken zum
Begriff geworden.
Das Baumuster stammt
bereits aus dem Jahre 1957, die Nullserie wurde 1962
gebaut und die Serie lief 1964 an. Nach anfänglichen
Schwierigkeiten sind die Leichttriebwagen inzwischen
bahnfest geworden. Sie können als Einzelwagen, als
Triebwagen mit einem oder zwei Beiwagen, oder zu zwei
Einheiten gekuppelt, gefahren werden. Um die Wendezeiten
zu kürzen, werden seit 1965 auch Steuerwagen gebaut.
Der Wagenkasten stützt
sich über Schraubenfedern auf das Fahrgestell ab.
Parallel geschaltete Stoßdämpfer sorgen für einen
ruhigen Fahrzeuglauf, der auf ungepflegten Nebenstrecken
aber nicht immer befriedigt. Die rollengelagerten
Radsätze werden spielfrei geführt. Sie sind gegen das
Fahrgestell mit Blattfedern abgefedert.

Das Fahrgestell ist
geschweift und enthält die gesamte Maschinenanlage nebst
Hilfseinrichtungen.
Der in selbsttragender Schweißkonstruktion ausgeführte
Wagenkasten enthält den als Großraum gestalteten
Fahrgastraum mit den zwei Einstieg-Vorräumen. Breite
Fenster aus Sicherheitsglas gewähren eine vorzügliche
Rundsicht. Die Sitzplätze sind zu 2 + 3 angeordnet. Die
vom Fahrgastraum unmittelbar zugänglichen Führerstände
haben je 3 Plätze, die bei unbesetztem Führerstand den
Fahrgästen mit zur Verfügung stehen. Dazu läßt sich das
Fahrpult durch ein Roulleau abschließen.
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Hersteller |
VEB
Waggonbau Bautzen/ Görlitz |
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Bauart |
171.0 |
172.0 |
172.1 |
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Baujahr |
1957 |
1962 64 |
1965 |
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Achsfolge |
1'A |
1'A |
1'A |
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Vmax |
90 |
90 |
90 kmh |
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Gewicht |
15,0 |
15,0 |
15,0 |
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Achslast |
11,25 |
13,40 |
13,55
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Lüp |
13.550 |
13.550 |
13.550 mm |
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Motorherst. |
Johannisthal |
Roßlau |
Roßlau |
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Leistung
(PS) |
180 |
180 |
180 PS |
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Drehzahl |
1500 |
1500 |
1500 U /
min |
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Getriebe |
mech. |
mech. |
mech. |
Die 3 Wagentypen
Triebwagen (VT), Steuerwagen (VS) und Beiwagen (VB)
haben gleiche Abmessungen. jeder Wagen verfügt über
einen Abort mit Wascheinrichtung. Die Einstiegtüren sind
zweiflüglige Drehfalttüren. Sie können durch Drucktaster
örtlich oder vom Führerstand zentral bedient werden.
Die Fahrzeuge sind mit
einer automatischen Kupplung System Scharfenberg
ausgerüstet. Beim Kuppelvorgang werden gleichzeitig die
Luftleitung und die Steuerleitungen verbunden. Ein
Verbinden mit der normalen Schraubenkupplung ist durch
eine Hilfskonstruktion möglich. Die Triebwagen haben
einlösige Scheibenbremsen und eine Magnetschienenbremse
sowie eine zeit- und wegabhängige
Sicherheitsfahrschaltung mit Wachsamkeitskontrolle.
Ferner werden die Radsätze
zur Verschleißminderung spurkranzgeschmiert.
Die Beleuchtung erfolgt mit 24-V-Glühlampen, die
Raumheizung durch eine thermostatgeregelte
Warmwasseranlage, die die Abwärme des Dieselmotors
ausnutzt. Dabei wird gefilterte Frischluft über
Wärmetauscher geleitet und in den Fahrgastraum gedrückt.
Diese Anlage läßt sich im Sommer auch als Belüftung
betreiben. Ansonsten werden alle Wagen durch ölgefeuerte
Warmluft-Heizgeräte erwärmt.

Die Bei- und Steuerwagen
entsprechen in ihrem mechanischen Aufbau im wesentlichen
den Triebwagen. Abweichend sind ein separater Traglasten-
oder Gepäckraum mit seitlichen Klappsitzen (im übrigen
Sitzbänke in der Anordnung 2 + 3), die einachsigen
Laufwerke und die Abfederung des Wagenkastens durch
Megi-Federn (Metall-Gummi-Elemente).
Die Triebwagen der
ersten Serie waren nur mit einer direkten Fahrsteuerung
ausgerüstet. Um ihre Einsatzmöglichkeiten zu optimieren,
erhielten die verbesserten Nachfolgeserien
Vielfachsteuerung, so das man Verbandsfahrten mit
insgesamt sechs Fahrzeugen ausführen kann. Bei
durchschnittlich 55 Sitzplätzen und 45 Stehplätzen pro
Fahrzeug lassen sich mithin maximal 600 Reisende in
einer Zuggarnitur befördern. Im einzelnen sind die
Kombinationen
VT,
VT + VT,
VT + VS,
VT + VB,
VT + VB + VT,
VT + VB + VS,
VT+VB+VB+VT,
VT+VS+VS+VT,
VT+VB +VB+VB+VT,
VT+VB+VS+VB+VT,
VT+VB +VB+VB+VB+VT
VT+VB+VS+VS+VB +VT
möglich.
In allen Fällen kann
die Zugeinheit von einem Führerstand aus gefahren werden.
Durch diese Variabilität ist eine vorzügliche und
schnell herstellbare Anpassung an alle
Verkehrserfordernisse im Nah-, Vorortund Nebenbahnsowie
Ausflugsverkehr gegeben, wobei das Umsetzen auf
Zugwendebahnhöfen entfällt.

Die gesamte
Maschinenanlage ist einschließlich des sechszylindrigen
180-PS-Motors unterflurig angeordnet, so das der
Wagenkasten voll als Fahrgastraum zur Verfügung steht.
Zwischen Motor und mechanischem Sechsganggetriebe
überträgt eine Strömungskupplung das Drehmoment
elastisch und stoßfrei. Die Getriebezahnräder sind
ständig im Eingriff. Die einzelnen Gänge werden durch
elektromagnetische Kupplungen ohne Zugkraftunterbrechung
geschaltet. Das Motordrehmoment gelangt vom
Getriebe dann weiter über eine Kardanwelle auf das
Achswendegetriebe, das nur im Stillstand
elektropneumatisch bedienbar ist.

Ein Winkelgetriebe
nimmt die Antriebsleistungen für dief Hilfsmaschinen
über Magnetkupplungen vom Motor ab.
Zwei
1,2-kW-Lichtmaschinen werden ebenfalls direkt vom Motor,
allerdings über Keilriemen, angetrieben.
Trieb-, Steuerund
Beiwagen sind mit je zwei 24-V-Bleibatterien von je
180Ah ausgerüstet. Die Triebwagenbatterien werden von
den Lichtmaschinen gespeist, die Steuer- und
Beiwagenbatterien hingegen von Achsgeneratoren
nachgeladen.
Das Motorkühlwasser
läßt sich vorwärmen. Es wird gekühlt in einer
Unterflur-Kühlanlage, die unter dem vorderen Führerstand
elastisch im Fahrgestell aufgehängt ist und einen
regelbaren Lüfterbetrieb besitzt. Für das MotorSchmieröl
ist ein besonderer Wärrnetauscher am Dieselmotor
vorhanden. |