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Modernisierung der Ferkel
Mit
der Wiedervereinigung sanken auch die Fahrgastzahlen,
wobei besonders die Nebenbahnen darunter litten.
Vielerorts wurden Lokomotiven der DR Baureihen 110; 118
oder gar 132 im Nebenbahndienst eingesetzt, welche nun
übermotorisiert waren. So waren die schweren Loks mit
gerade mal 2 zwei oder sogar einem Wagen anzutreffen.
Als Alternative zur
Stillegung, stand nur noch der kostengünstige
Triebwagenverkehr zur Verfügung.
Doch die DR / DB hatte
keine entsprechenden Fahrzeuge. Also entschied man sich
zur Rekonstruktion der über 30 Jahren alten DR
Schienenbusse.
Da standen noch einige
Probleme im Weg, denn die LVT konnten nur im normalen
Hauptuntersuchungsturnus aufgearbeitet und modernisiert
werden, da die Fahrzeuge nicht abkömmlich waren.
Auch war es nicht sehr
leicht, für diese betagten Fahrzeuge ein
Modernisierungskonzept zu entwickeln und das
Hauptproblem - nämlich das unkomfortable Fahrwerk, blieb
so wie es war.
Konzeptionell sollten
vor allem die Maschinenanlage, Getriebe und geschlossene
Führerstände eingebaut bzw. modernisiert werden. Das
Problem der unzureichenden Laufruhe, bzw. des
Fahrkomforts dieser Fahrzeuge konnte nicht verbessert
werden. Hier wären die Investitionen gleich einer
Neukonstruktion zu vergleichen gewesen und ein starres
Zweiachsfahrwerk hat auch seine Grenzen. Als Nebeneffekt,
erhielten unsere "Ferkeltaxen" neue Inneneinrichtungen
und einen neuen Außenanstrich, der jedoch sehr
umstritten war - gleichsam aber jeweils seine Anhänger
besaß. Da das Rahmen jedoch im besten Zustand war, wurde
das Ansinnen auf Rekonstruktion genehmigt.
Das Raw Halle - seit
Jahren für die Unterhaltung dieser Triebwagen zuständig
- erhielt 1991 den Auftrag, einen Triebwagen mit
Beiwagen zu modernisieren, ihn farblich attraktiver zu
gestalten und die Innenausstattung zu verbessern. Auch
an eine neue Motorenanlage ist gedacht.

Bevor die ausgewählten
Fahrzeuge 171 043 und 171 843 vom Bw Wittenberge im
Oktober 1991 dieser Modernisierung unterzogen wurden,
erprobte man zunächst am 172 009 / 609 die wesentlichen
Elemente des Umbaus: die verbesserte Innenausstattung
mit stoffbezogenen Sitzen, den Einbau abgeschlossener
Führerstände und die neue Farbgebung analog dem DB-
RegionalBahn Design - mit wasserlöslichen Farben.
Der so modernisierte "Vorrauswagen"
verließ am 8. Oktober das Raw Halle und wurde dem Bw
Frankfurt/ O zugeteilt. Der ebenfalls umgebaute
Steuerwagen 972 609 musste dagegen noch im Werk
verbleiben, da sich der Einbau des geschlossenen
Führerstandes verzögerte. Auch fehlte noch zur
Pressevorstellung die neue Antriebsanlage und so manches
Detail galt nun erst mal noch zu klären.

Im Oktober 1991 wurde
nun der eigentliche Musterwagen 171 043/ 171 843
modernisiert. Basis ist der gute Erhaltungszustand der
Fahrgestelle, die trotz des über 25jährigen Einsatzes
nicht verschlissen sind. Im Gegenzug haben die 798 hier
größere Probleme bereitet, dies lag zum Teil an der
Nutzung der Schraubenkupplung, wo die 798 auch schwerere
lasten wie Güterwagen etc. mitschleppen mussten.

Wiederum Stoffbezogene
Sitzbänke im typischen RB Grün und eine neue
Innenraum-Beleuchtung sollten für einen spürbar besseren
Reisekomfort sorgen. Die Wandverkleidung wurde ebenso
erneuert, wie auch die Gepäckablagen. Für den späteren
Serienumbau sollte sogar neue Bestuhlung zum Einbau
kommen, was jedoch nicht mehr realisiert wurde. Zum
Einbau gelangt ferner ein neuer MAN-Unterflurdieselmotor.
wobei das wieder verwendete Elektroschaltgetriebe und
die Strömungskupplung der Maschinenanlage einander
angepasst werden mussten. Allerdings wurden im laufe der
Umbauphase die Getriebe fast aller LVT denen der 772er
angepasst. Ein Teil de 771 bekam sogar Wendezugsteuerung
und die dazugehörigen Beiwagen wurden zu Steuerwagen
umgebaut. Außerhalb Usedoms waren jedoch nur drei 771er
Pärchen in und um Dresden im Einsatz. Auch der
Verkablung wurde erneuert und in den letzte Jahren kamen
Außenspiegel hinzu, damit die LVT auch im Einmannbetrieb
(der blieb bis auf wenige Ausnahmen ein Wunschtraum der
DB Regio) eingesetzt werden können.
Leider konnten so einige
der bekannten technischen Mängel wie gesagt nicht
beseitigt werden und so war abzusehen, dass der Einsatz
für 8-10 Jahren andauern kann, aber eine Nachnutzung
nicht mehr zur Debatte stehen wird.

Schließlich wurde ein
Großteil der Fahrzeuge dementsprechend umgebaut, wobei
einige Unterschiede im Detail zu finden sind. Es kam
sogar zum Umbau einiger Beiwagen der Reihe 971 zu
Triebwagen. Diese wurden in der Form als 772 aufgebaut
und man fand kaum unterschiede zu anderen Fahrzeugen.
Am 15.
Oktober 1993 wurde mit 772 139 + 972 739 der erste LVT
vorgestellt, der komplett alle Umbauelemente besaß und
damit den Abschluss der Umabuentwicklung dokumentierte
und dem noch eine ganze Serie folgen sollte.
Zum
kompletten Umbauprogramm gehörten:
-
MAN-Unterflurmotor 2866 UH mit 162 kw Leistung
-
Voith Diwa Achswendegetriebe D 863
-
Neue Führertische - in moderner
ergonomischer Form
-
zum Fahrgastraum getrennte
Führerstände
-
Innenraumneugestaltung und
Neulackierung
-
Zugzielanzeige und Beschallung
-
Einbau von Pz 80 und MESA Zugbahnfunk

Die
Neugestaltung der Führerpulte wurde notwendig, da durch
die geplanten Modernisierungsmaßnahmen eine Anordnung
aller erforderlichen Bedien- und Anzeigeelemente auf dem
alten Holzpult nicht mehr möglich war. In Zusammenarbeit
des Raw Halle, dem DesignCenter München, der Duewag
Düsseldorf sowie der Zentralstelle Maschinentechnik
Halle/ Dessau wurde schließlich ein neues Führerpult mit
ergonomischen Grundsätzen verwirklicht.

Die
Musterpulte kamen anfangs noch von der Duewag aus
Düsseldorf, wurden dann in Serie in Halle produziert.
Hauptmerkmal dieser Führertische war der
Einheitsgrundsatz mit den Führertischen der DR - nach
entsprechenden Vorgaben der DB.
-
GFK Bauweise mit Farbton resedagrün
für Mittel und Seitenpulte.
-
Aufteilung in eine Anzeigenebene und
in eine Bedienebene
-
Anordnung der PZB und MESA
Bedienteile - später auch EBuLa
-
Vereinheitlichung der Bedienelemente
-
zeitgemäße Installationstechniken für
die elektrische Ausrüstung.

Eine Besonderheit war
noch der Umbau von LVT der Usedomer Bäderbahn, zum
Erdgasbetrieb. Dieser hat sich zwar bewährt, jedoch
unterblieb ein weiterer Umbau.
Jetzt ist die Zeit der
Ferkeltaxen abgelaufen und sie habe sich gut gehalten
und ein ruhiges Dasein verdient. Das sie nun in Kuba,
Spanien und Rumänien zeigen können, wie rüstig sie sind,
hätte wohl kaum einer von uns gedacht.


©
1999/ 2005 Thomas
Nitsch |